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Chronik

 

 

Weinprobe am 26. Januar 2013 „Friaul &Trentino“

So eine Weinprobe ist eine feine Sache. Man besucht sozusagen eine Informationsveranstaltung, deren einziger Zweck die Unterrichtung im Gebrauch von alkoholischen Getränken in geselliger Runde ist. Gleichzeitig zeigt man sich als kulturell interessierter Genussmensch, dem es nicht genügt, seine Stunden einfach in der nächstbesten Heckenwirtschaft abzusitzen. Schließlich adelt der sachkundige Umgang mit Wein noch jeden Rausch, und sei es am nächsten Tag.

„Also, ich fand, dem Chianti gestern fehlte das Eichenfass. Zu wenig Tannin. Wenn ich da an letztes Jahr denke, in dieser kleinen Trattoria, gleich hinter Florenz, an der Straße nach Radda…“ Ja, die Weinkenner! Schwamm drüber! Obwohl; mitunter geraten derartige Veranstaltungen dann doch noch irgendwie zu sensorischen Höchstleistungsseminaren, bei denen selbst die geübte Nase eines Bombenhundes verzweifeln könnte. Vier, sechs, manchmal acht Weine mit Aromen nach Leder und Tabak, Pfirsich und Ananas, nach Melone, Zimt, Gummi oder Kommodenlack; wer kommt da noch mit? Dazwischen die berühmte Punktesammlung der Herren Parker, Johnson usw. wie sie heute bald an jedem Flaschenhals im Supermarkt baumelt. Zumal beim ungeübten Trinker, wächst nun mit jedem Schluck die Verwirrung und er säße jetzt doch lieber in seiner vertrauten Heckerstube, in der sich ihm nach dem dritten Viertel Silvaner die rätselhafte Wandlung von gärender Traubenmaische zu einem blitzblanken Wein ganz von selbst erklärte.

Ich erscheine also pünktlich und in ordentlicher Verfassung, in der Hoffnung, dass der Abend keine komplizierten, akademischen Anforderungen an meinen Weinverstand stellt. Aber; Bildung erhöht ja angeblich den Genuss und einen Sauvignon oder gar einen Friulano aus dem nordöstlichsten Anbaugebiet Italiens, bekommt man ja auch nicht alle Tage vorgesetzt. Dazwischen eine zünftige „Alpin Platte“ und darauf einen fruchtig eleganten St. Magdalener, gefolgt von dem dunklen und schweren Lagrein aus der Kellerei Bozen Gries. Ich bin voller Erwartung. Der Einstieg gelingt überraschend zügig. Ohne Umschweife sind wir beim ersten Glas, streifen das Anbaugebiet Colli Orientali, verharren einen Moment bei der Geschichte des Friulano, der früher Tokai hieß, was ihn ständig in Konkurrenz mit seinem ungarischen Namensvetter brachte, mit dem er aber rein gar nichts zu tun hat; da sind wir auch schon in Südtirol und halten die Nase in einen samtig weichen, fast hellroten Magdalener, einem Cuvee aus Vernatsch und Lagrein. Die ersten Brotzeit-Platten, beladen mit Speck und Käse aus dem schönen Eisacktal nahe Brixen, verlassen die Küche.

Spätestens jetzt erreichte der Geräuschpegel in der geräumigen Stube unterm Edelweiß Würzburger Maulaffenbäck-Stärke und da machte es auch nichts, dass das nun vom Hüttenwirt zur Gitarre vorgetragene italienische Liebeslied eigentlich süditalienischen Ursprungs ist. „Il Chuore e un Zingaro“ sang Nicola di Bari aus Apulien im Original 1971 beim Festival in San Remo: „Das Herz ist ein Zigeuner!“. 

Wem diese leidvolle Erkenntnis nun auf‘s Gemüt geschlagen ist, dem empfehle ich den Besuch einer sachkundigen Weinhandlung, auf dass er dort einen Schoppen findet, der ihm Trost und Linderung verschafft… So was gibt es nämlich. Aber nur dort, und nicht in den Regalen beim Discounter! Jedenfalls, schön war’s; unterhaltsam und lustig und sogar der helle Mond begleitete mich amüsiert auf dem Nachhauseweg.

Nächster Termin „Piemont“ siehe unter "Veranstaltungen"

Euer Kuno vom Kalbenstein